Das Nokia 4.2 im ausführlichen Test – was taugt das Budget-Smartphone mit Dual-Kamera?

Nokia 4.2 Test
Bild: pascalfertiglos.ch

Vor drei Monaten hat HMD Global das Buget-Smartphone Nokia 4.2 vorgestellt. Ich hatte euch bereits in einem ersten Hands-On meinen Eindruck zum Handy geschildert. Nun habe ich das Gerät ausführlich über mehrere Wochen getestet und kann euch mit gutem Gewissen sagen, was das Smartphone taugt. Wie immer habe ich dabei meinen Hauptaugenmerk auf die Kamera gelegt.

Aussehen, Verarbeitung und Handhabung

Das Nokia 4.2 ist ein sauber verarbeitetes Smartphone, das trotz der Plastikelemente nicht den Anschein eines billigen Handys erweckt. Die Lautstärkewippe und der Standby-Button sind rechts platziert, was ich um einiges besser finde, da man den Daumen sowieso schon am rechten Rand hat. Das Gerät liegt insgesamt gut in der Hand. Das verdankt das Gerät vor allem seinen abgerundeten Ecken. Spätestens seit dem Samsung Note 10+, das unten und oben sehr eckig ist und dadurch etwas unangenehm werden kann, schätze ich diese abgerundete Baumform.

Ein Detail macht richtig freude

Ein wirklich tolles Detail finde ich auch, dass der Standby-Button eine LED integriert hat. Wenn ihr also eine neue Nachricht erhaltet, blinkt dieser ganz dezent. Da hat sich jemand vom Design-Team wirklich Gedanken gemacht und ich frage mich, warum das in Smartphones nicht Standard ist.

Nokia 4.2 Hands-On Google Assistant Button
Bild: pascalfertiglos.ch

Kompaktes Display mit einem kleinen Haken

Bei der Displaydiagonale darf mans ich über kompakte 5.71 Zoll freuen, wegen des niedrigen Preises gibt’s allerdings kein Full HD. Ich finde das nicht so schlimm, denn für meine alltäglichen Dinge, die ich auf einem Smartphone erledige ist kein Full-HD-Display nötig. Selbst beim gucken von YouTube-Videos ist das verkraftbar. Hier muss man einfach für sich entscheiden, ob einem ein besseres Display den entsprechenden Aufpreis wert ist, den man dafür bei anderen Modellen bezahlen müsste.

Fingerprintsensor und Kopfhöreranschluss

Wer sein Nokia 4.2 mit dem Finger entsperren möchte, kann das ganz einfach mit auf der Rückseite tun. Die Positionierung knapp unter der Dualkamera weisst dabei genügend Abstand auf, damit man nicht aus Versehen auf der Linse herumfummelt. So etwas klingt zwar selbstverständlich, kriegt aber nicht immer jeder Hersteller hin (*hüstel* HTC).

Nokia 4.2 Hands-On Kopfhörer-Anschluss
Bild: pascalfertiglos.ch

Wenn ihr einen kabelgebundenen Kopfhörer habt, dürfte euch sicher erfreuen, dass das Nokia 4.2 einen Kopfhöreranschluss hat. Ich habe während meiner Testzeit nur via Bluetooth-Kopfhörer Musik gehört, was zu jederzeit wunderbar geklappt hat. Spontane Verbindungsunterbrüche, etwas, dass ich wirklich nicht ausstehen kann, gab es nie. Da habe ich bei wesentlich teureren Smartphones schon einiges erlebt.

Gewichtiges Smartphone

Etwas überrascht hat mich das Gewicht des Nokia 4.2 von 161 Gramm. Es ist nicht so, dass es zu schwer wäre, aber bei 5.71 Zoll habe ich doch erwartet, dass das Gerät etwas leichter ist. Zum Vergleich: Das Mittelklassegerät Samsung A40 ist mit 5.90 Zoll grösser, aber insgesamt 21 Gramm leichter. Aber das ist natürlich meckern auf hohem Niveau, denn 161 Gramm sind nicht alle Welt und die wenigsten dürften sich ab diesem Gewicht stören.

So schnell ist das Nokia 4.2

179 Franken kostete das Nokia 4.2 als ich diesen Testbericht geschrieben habe. Damit ist das Smartphone ganz klar ein Budget-Gerät und entsprechend kann man auch keine Geschwindigkeitsrekorde erwarten. Wichtig ist mir beim Speed immer meine subjektive Wahrnehmung. Wenn das Gerät genug schnell ist, dass es mich nicht anfängt zu nerven, hat es schon einmal Boden gut gemacht. Beim Nokia 4.2 ist das der Fall. Für alltägliche Dinge wie Apps starten und ein bisschen im Netz surfen ist das Gerät genug schnell. Beim Starten einer normalen App wie YouTube oder auch Instagram dauert es etwa eine Sekunde, bis diese vollständig geladen ist.

Etwas mehr Mühe hat das Gerät bei der Kamera. Hier geht es Stellenweise dann doch etwas gar gemächlich zu und her. Vor allem das Anzeigen von RAW-Fotos, die man mit dem Nokia 4.2 nun mal machen kann, bringt den Prozessor an seine Grenzen.

Nokia 4.2 Anzahl Sim-Karten und Info Speicherkarte
Das Nokia 4.2 fasst zwei SIM-Karten plus eine MicroSD-Karte. | Bild: pascalfertiglos.ch

So schnell entsperrt ihr das Nokia 4.2 mit dem Finger

Etwas, das mich immer sehr nervt, ist, wenn das Entsperren per Fingerabdruck zu lange dauert. Das Nokia 4.2 entsperrt zügig, allerdings hat mich gestört, dass ich immer mal wieder mehrere Versuche benötigt habe, bis ich das Gerät tatsächlich entsperren konnte. Das lag vor allem daran, dass der Fingerprintsensor nur zuverlässig funktioniert, wenn man den Finger nicht zu hastig und möglichst mittig auflegt. Das führte dazu, dass ich das Smartphone oft einfach per Zahlencode entsperrt habe, da das schneller ging.

Das taugt die Dual-Kamera

HMD Global hat dem Budget-Gerät eine Dual-Kamera spendiert, was sich auf dem Papier sicher toll anhört. In der Praxis hat mich das Setup allerdings nicht wirklich umgehauen. Klar, eine Top-Kamera wie bei Modellen für 500 Franken aufwärts kann man hier natürlich nicht erwarten. Bei einem so günstigen Smartphone habe ich natürlich entsprechend niedrige Erwartungen. Dennoch hoffe ich auch immer wieder, dass mich die Kamera positiv überrascht.

Nokia 4.2 Hands-On Kamera Rückseite Fingerprint
Bild: pascalfertiglos.ch

Natürliche Farben, aber eher dunkel

Was mir gefallen hat, ist, dass die Kamera Nokia-typisch sehr natürliche Farben darstellt. Hier wird nicht getrickst, indem Sättigung und Kontrast ins Unerträgliche hochgeschraubt werden, wie es beispielsweise bei Huawei-Handys der Fall ist. So mögen die Fotos im ersten Moment etwas blass erscheinen, doch vor allem bei Naturfotos sind natürliche Farben einfach viel besser. Das Gras soll Sattgrün und nicht Giftgrün sein.

So sieht das Foto aus, wenn man die den Fokus (und damit die Belichtung) auf die Wolken legt:

Nokia 4.2 Test/Review
Bild: pascalfertiglos.ch

Und so, wenn man den Fokus auf den felsigen Hügel legt:

Nokia 4.2 Test/Review
Bild: pascalfertiglos.ch

Was auffällt, ist, dass die Bilder generell immer leicht unterbelichtet sind. Da merkt man, dass das Nokia 4.2 wohl einen eher kleinen Sensor verbaut hat. Allerdings muss ich sagen, dass mir das lieber ist, als wenn das Gerät überbelichtet, denn wie hat mein Fotografiedozent immer gesagt:

“Lieber etwas zu dunkel fotografieren. Aufhellen geht immer.”

Bei diesem Panoramafoto sieht man gut, wie die Software durch die verschiedenen Lichtverhältnisse eine Art Kante in der Mitte des Fotos gebildet hat:

Nokia 4.2 Test/Review Kamera
Bild: pascalfertiglos.ch

Fotos bei Nacht? Schwierig

Der kleine Sensor macht sich dann natürlich auch nachts bemerkbar. Fotos bei wenig Licht sind fast unmöglich. Selbst wenn ihr einigermassen genügend Umgebungslicht von Laternen habt, müsst ihr mit sichtbarem Bildrauschen klar kommen.

Sonnenuntergänge fotografieren geht ganz gut. Allerdings ist das Bild deutlich dunkler als in der Realität, während die hellen Bereiche ausbrennen.

Nokia 4.2 Test/Review Kamera Nacht
Bild: pascalfertiglos.ch

Bescheidener Umfang bei Kamerafunktionen

Bei den Einstellungsmöglichkeiten der Kamera-App müsst ihr euch mit dem Wesentlichen begnügen. Nebst dem Automatikmodus, gibt es noch den Pro-Modus und Live-Bokeh. In den Optionen könnt ihr noch zwischen vier Weiteren Einstellungen wie Quadratisches Foto oder Zeitraffer wählen. Wer von euch etwas ambitionierter fotografiert, wird sowieso nur den Pro-Modus nutzen, alle anderen laden sich am besten eine Zusatz-Foto-App herunter.

Live-Bokeh funktioniert. Das Ergebnis ist allerdings nur zufriedenstellend, wenn die Person oder das Objekt keine Zwischenräume aufweist.

Nokia 4.2 Test/Review Kamera Bokeh
Bild: pascalfertiglos.ch

Hier seht ihr sehr gut, wie der Bokeh-Modus mit den Zwischenräumen überfordert ist und diese weiterhin scharf dargestellt werden.

Bild: pascalfertiglos.ch

Noch besser sieht man es bei diesem komplexen Motiv. Hier ist die Kamera mit dem Bokeh-Effekt heillos überfordert.

Nokia 4.2 Test/Review Kamera Tiefenunschärfe
Bild: pascalfertiglos.ch

Zoomen könnt ihr übrigens. Allerdings nur digital (was jetzt nicht verwunderlich ist).

Nokia 4.2 Test/Review Kamera Zoomen
Bild: pascalfertiglos.ch

Ihr solltet allerdings nicht erwarten, dass bei einem digitalen Zoom ein scharfes Bild dabei herauskommt.

Nokia 4.2 Test/Review Kamera Zoomen
Bild: pascalfertiglos.ch

Akkulaufzeit

Das Nokia 4.2 hat einen Akku von 3000 mAh. Das ist okay und reicht, um durch den Tag zu kommen. Ein Marathonläufer ist das Smartphone aber nicht. Am Abend muss es wieder an die Steckdose, sonst guckt ihr am nächsten Tag in die Röhre. Bei der Ladegeschwindigkeit kann das 4.2 leider auch nicht mit neueren Geräten mithalten. Das liegt wohl vor allem am Micro-USB-Anschluss, der mich doch etwas überrascht. Ich hatte angenommen, dass USB-C mittlerweile selbst bei Budget-Smartphones Standard ist. So kann man sich täuschen.

Mein Fazit zum Nokia 4.2

Insgesamt ist das Nokia 4.2 ein solides Budget-Smartphone. Es ist weder schlecht noch richtig gut. Am ehesten ein Smartphone für Leute, die einfach ein günstiges Gerät wollen, mit dem sie ab und an ins Internet können und mal das eine oder andere Foto machen. Wer aber viel im Netz ist und gerne Fotografiert, sollte lieber ein bisschen mehr Geld ausgeben. Bereits für 50 bis 100 Franken mehr bekommt man Smartphones, die um einiges mehr bieten. Wenn es ein günstiges Nokia sein soll, könnt ihr beispielsweise auf das mittlerweile günstige Nokia 7.1 zurückgreifen.

Oder ihr wartet bis anfangs Oktober und holt euch das neue Nokia 6.2 oder 7.2. Mehr dazu lest ihr hier:

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