LG zeigt Smartphone-Konzept und beweist: eine grosse Kamera muss nicht hässlich sein

LG Smartphone neues Design
Bild: LG Electronics

Denkt man an Smartphones, gehört LG wohl nicht zu den ersten Marken, die einem einfallen. Zumindest gilt das für die Schweiz. Wie bei Sony, HTC oder Xiaomi ist der Marktanteil der Südkoreaner hierzulande bescheiden. 2019 sollen laut Moneyland nicht einmal 1.5 Prozent der Schweizer*innen ein LG-Smartphone genutzt haben.

Eigentlich schade, denn LG baut durchaus interessante Smartphones, die sich technisch nicht verstecken müssen. Auch beim Thema Innovation ist LG immer dazu bereit, etwas Neues auszuprobieren. Leider ernten die Lorbeeren dann oft andere. So war es beispielsweise LG, das als allererstes eine Ultraweitwinkelkamera verbaut hat. Während Samsung die Ultraweitwinkelkamera bei ihrem Flaggschiff erst 2019 mit dem Galaxy S10 eingeführt hat, konnten sich Besitzer*innen des LG G5 schon 2016 über eine solche Kamera freuen.

So sah das LG G5 aus. Damals gabs "nur" eine Dual-Kamera.
So sah das LG G5 aus. | Bild: LG Electronics

Auch in Sachen biegbare Displays war LG mit dem LG Flex bereits 2013 an vorderster Innovations-Front mit dabei. Darüber, wie nützlich ein gekrümmtes Display ist, kann man natürlich diskutieren. Ich selbst konnte letztes Jahr den LG Dual Screen testen, was LGs alternativer Ansatz zu faltbaren Smartphones ist.

Wo liegt das Problem bei LG-Smartphones?

Bei so viel Innovation fragt man sich natürlich, warum LG nicht zu den führenden Smartphone-Herstellern gehört. Liegt es am Namen? Ist die Marke zu wenig sexy? Vielleicht. Ich kann das nicht beurteilen. Für mich liegt das Problem aber sicher auch im Design begraben: Wann hat LG zuletzt ein Smartphone mit einem richtigen Wow-Faktor herausgebracht?

Review: LG bringt den Stylus in die Mittelklasse – muss sich Samsung jetzt Sorgen machen?

Spontan würde ich sagen, es war das LG G4 in der Lederedition. Damals konnte LG mit diesem Smartphone wirklich aus der Masse hervorstechen. Vermutlich hat es sich dann aber doch nicht so gut verkauft, denn das G5 kam dann wieder ohne Lederrückseite daher. Immerhin hatte das G5 ein hübsches Aluminiumgehäuse und die Aufsteckaufsätze waren erneut ein Versuch, etwas Neues auszuprobieren.

LG G4 Brown-Edition mit Lederrückseite.
Das LG G4 mit Lederrückseite. | Bild: LG Electronics

Schaut man sich aber die LG-Modelle der vergangenen Jahre an, kommen diese aber alle eher unaufgeregt daher. Egal ob High End oder Mittelklasse – jedes Modell sieht plusminus gleich aus. Dabei wirken die Geräte leider nicht ganz so hochwertig, wie die der Konkurrenz. Das habe ich zum Beispiel auch beim Top-Modell LG V50 ThinQ festgestellt, dass ich getestet habe.

Es scheint fast, als wolle LG auf Nummer sicher gehen. Lieber ein unaufgeregtes Design, dass niemanden vor den Kopf stösst – aber eben auch niemandem begeistert. Oder kann es sein, dass dieses Design einfach in Südkorea beliebt ist? Dort ist der Konzern noch immer einer der Top-Smartphone-Marken.

Nun wird alles neu

Nun scheint man aber auch bei LG gemerkt zu haben, dass es Zeit für eine neue Design-Sprache ist. Diese Woche hat der Smartphone-Hersteller nämlich erstmals angeteasert, in welche Richtung das neue Flaggschiff bezüglich des Aussehens geht – und das ist definitiv anders als bisher. Die veröffentlichten Bilder sind aber keine Render des Gerätes, sondern nur Konzeptzeichnungen. Dennoch sehen sie sehr interessant aus und verraten schon einiges.

Aber seht selbst:

LG Smartphone neues Design
Die Vorderseite und Rückseite, inkl. Kamera. | Bild: LG Electronics
LG Smartphone Raindrop Kamera neues Design
Der frontale Blick auf die rückwärtige Kamera. | Bild: LG Electronics

Mein erster Eindruck

Im ersten Moment fällt auf, dass LG beim Gehäuse nun in eine ähnliche Richtung geht, wie viele Flaggschiffe: Auf der Vorderseite gibt es ein abgerundetes, praktisch Rahmenloses Display. Auch die Rückseite ist links und rechts an den Rändern abgerundet. Dieses Design hat beispielsweise bereits mein Huawei P30 Pro, das letztes Jahr erschienen ist.

Huawei P30 Pro Detailansicht
Die abgerundeten Kanten auf der Rückseite des Huawei P30 Pro. | Bild: pascalfertiglos.ch

Weitaus spannender sind die beiden Kameras. Auf der Vorderseite ist überhaupt keine Kamera zu sehen. Kann es sein, dass LG diese nun unter das Display verfrachtet hat? Das wäre natürlich richtig, richtig cool. Vielleicht kriegen wir aber auch einfach eine Punch-Hole-Kamera, die auf dem Konzeptbild noch nicht berücksichtigt wurde.

Richtig interessant wird es bei der Kamera auf der Rückseite: Vier Linsen, die in ihrer Grösse schrumpfen, je weiter nach unten es geht. LG nennt dieses Konzept “Raindrop Camera”, also Regentropfen-Kamera. Während die oberste Linse etwas aus dem Gehäuse herausragt, schliessen die anderen bündig mit diesem ab. Ich weiss noch nicht so richtig, ob ich das gut finden soll oder nicht. Eventuell wäre es schöner gewesen, wenn alle Linsen bündig abgeschlossen hätten – oder alle etwas herausgeragten. Aber ich warte lieber auf die ersten Render, um das zu beurteilen.

Der wichtigste Punkt ist: LG geht endlich wieder eigene Wege beim Design – und könnte vielleicht sogar einen Hit landen. Denn sind wir mal ehrlich: Die fetten Kameramodule auf der Rückseite der neuen Flaggschiffe sind echt kein Hingucker. Vor allem beim Samsung Galaxy S20 Ultra ist das Ding so riesig, dass es ein Graus ist.

Ich bin auf jeden Fall gespannt, was LG uns da genau präsentieren wird. Angeblich soll es bereits am 15. Mai soweit sein.

Update: Inzwischen gibt es auch erste Renders. Die sind zwar nicht von LG selbst, aber geben uns doch schon einmal einen ersten Eindruck, wie das LG aussehen könnte. Ausserdem ist ein Name durchgesickert: Angeblich soll das neue Gerät LG Velvet heissen.

Leave a Comment

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.