Huawei P40 Pro – wie gut verkauft sich ein Top-Handy ohne Google-Apps?

Huawei P40 Pro Verkaufszahlen

Eigentlich sollte langsam allen bekannt sein, dass Huawei die Google-Dienste nicht mehr nutzen darf. Schuld daran ist die USA, welche das chinesische Smartphone-Unternehmen auf die Schwarze Liste für den Handel gesetzt hat.

Seither versucht Huawei mit allen Mitteln ein alternatives Ökosystem ohne Google-Apps aufzubauen. Beim Huawei Mate 30 Pro funktionierte das noch nicht, da sich die Chinesen erst noch vom US-Bann erholen mussten. Im Frühling sah die Situation aber bereits etwas anders aus. Huawei präsentierte das neue Flaggschiff P40 Pro, welches bereits mit einem ordentlich ausgebauten Ökosystem daherkam.

Huawei P40 Pro Silver Frost
Das P40 Pro in der Farbvariante Silver Frost.

Huawei hat dabei diverse Alternative Lösungen gesucht, wie man seine liebsten Apps ohne Play Store auf dem Huawei-Handy installieren kann. Ich habe bereits in diesem Beitrag über das P40 Pro geschrieben, dass ein Leben ohne Google-Apps durchaus möglich ist. Allerdings setzt das nebst gewissen Einschränkungen auch eine gewisse Experimentierfreudigkeit voraus.

Wie lange kann Huawei dem Bann noch trotzen?

Das Problem ist, dass der normale Handy-Nutzer wohl kaum Lust auf ein Handy hat, das ohne Play Store daherkommt. Nicht nur haben die User keine Lust, sich ihre Apps zusammenzusuchen, viele haben auch zu viel Angst davor. Es fehlt also schlicht das Wissen. Ausserdem laufen noch immer viele wichtige Apps nicht auf dem P40 Pro. Beispielsweise muss man wegen der fehlenden Google-Protect-Zertifizierung auf Bezahl-Apps wie Twint verzichten.

Damit dürfte klar sein, dass die Verkaufszahlen von Huawei-Smartphones ohne Google-Apps nicht sehr berauschend sein werden. Im Moment kann Huawei das noch einigermassen auffangen. Zum einen wurde erst gerade das P30 Pro in einer New Edition neu aufgelegt. Dieses Smartphone spielt noch immer in der Topliga mit und ich selbst kann es ohne Vorbehalt empfehlen. Ebenfalls ist Huawei in seinem Heimatmarkt China, wo der Play Store keine Rolle spielt, Marktführer. Der US-Bann hat sogar zu einer Solidaritätswelle geführt, wodurch die Marktanteile Huaweis in China auf über 40 Prozent gestiegen sind.

Huawei P30 Pro New Edition Silver Frost
Auch das P30 Pro gibt’s jetzt in der schönen Farbvariante Silver Frost.

Dennoch bleibt die Frage, wie lange Huawei noch auf Platz zwei der grössten Smartphone-Hersteller bleibt. Spätestens nächstes Jahr kann Huawei das P30 Pro höchstens noch als gutes Mittelklassegerät neu auflegen – wenn überhaupt. Dass dann harte Zeiten für Huawei anbrechen könnten, zeigen aktuelle Zahlen aus Deutschland.

Huaweis Flaggschiff-Verkäufe sind im Keller

Natürlich wäre es für ich interessanter, zu wissen, wie viele P40 Pro Huawei in der Schweiz hat absetzen können. Leider gibt es dazu keine Zahlen. Huawei selbst macht keine Angaben zu Verkaufszahlen. Was ich gehört habe ist, dass sich das P40 Pro aber besser verkaufen soll als erwartet. Ob das nun wirklich stimmt oder nur PR ist schwer zu sagen.

Etwas konkreter sieht es da in Deutschland aus. Bei unseren Nachbarn ist Huawei ebenfalls sehr beliebt, daher gehe ich davon aus, dass man davon auch auf die Schweiz schliessen kann. Der Preisvergleichsdienst idealo hat eine interessante Grafik veröffentlicht, die ich freundlicherweise Verwenden darf. Daraus geht hervor, dass die Nachfrage nach dem Huawei P40 Pro massiv zurückgegangen ist:

Grafik: idealo.de

Wie ihr seht, liegt die Nachfrage nach dem P40 Pro etwa sechsmal unter der des P30 Pro. Ich habe bei idealo noch nachgehakt, was “Nachfrage” genau bedeutet. Demnach wurde nur die Leadouts gezählt. Das bedeutet, dass die Statistik nur Nutzer enthält, die beim entsprechenden Modell auf den Button “Zum Shop” geklickt haben. Man kann also davon ausgehen, dass diese User das Handy dann auch gekauft haben – oder dies zumindest in Betracht zogen.

Fast noch schlimmer sieht es beim Huawei P40 aus, obwohl das Gerät eigentlich günstiger wäre. So lag die Nachfrage laut idealos Statistik für das P30 15 mal höher als für dessen Nachfolger. Das ist natürlich bitter. Dass sich das P40 Pro besser verkauft als das günstigere Modell, könnte einen einfachen Grund haben: Es kaufen wohl hauptsächlich Nutzer, die sich mit der Situation auskennen ein Huawei ohne Google-Apps – und wollen dann aber das Top-Modell. (Wobei das beste Modell – das Huawei P40 Pro Plus – erst am 25. Juni erscheint).

Der Preis ist im Sinkflug

Die eher niedrige Nachfrage hat natürlich auch zur Folge, dass der Preis relativ rasch sinkt – müsste man meinen. Schaut man sich aber die Grafik von idealo an, ist UVP nach zwei Monaten erst um 26 Prozent gefallen.

Grafik: idealo.de

Das ist eigentlich noch moderat, immerhin fallen die Preise auch bei Android-Handys mit Google-Apps in den ersten drei Monaten oft drastisch. So fiel zum Beispiel auch der Preis des Samsung Galaxy S20 in den ersten drei Monaten fast um 30 Prozent.

Hierzulande ist der Preis sogar noch weniger gefallen. Kostete das Huawei P40 Pro bei Verkaufsstart 999 Franken, kostet es bei Digitec oder Brack noch immer über 960 Franken. Das günstigste Angebot, das ich finden konnte, listet das Gerät mit 878 Franken. Damit ist der Preis des Gerätes in der Schweiz gerade einmal um 12,1 Prozent gesunken. Das ist weitaus weniger, als ich erwartet habe.

Dennoch bin ich gespannt, wie sich der Preis in nächster Zeit entwickelt. So hat zum Beispiel Swisscom die P40-Reihe erst gar nicht im Angebot. Auch in den Shops von Sunrise und Salt konnte ich die Geräte nicht finden. Damit fehlt Huawei natürlich ein wichtiger Absatzkanal, was sich schlussendlich auf die Preise auswirken könnte.

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