5G ist der nächste grosse Schritt in der Mobilfunktbranche. Mit diesem Standard soll das Internet der Dinge und beispielsweise vernetzte Autos ihr Potenzial erst so richtig entfalten können. Auch das Surfen auf mobilen Endgeräten wird dadurch schneller. Logisch also, dass Swisscom und Sunrise ordentlich Werbung für 5G machen, während erste Gerätehersteller wie Oppo, Xiaomi oder LG bereits letztes Jahr Smartphones mit 5G in der Schweiz lancierten.

Das erste offiziell verfügbare 5G-Smartphone in der Schweiz war dabei das Oppo Reno 5G. Dieses hat mir Oppo nun freundlicherweise mit einer 5G-SIM-Karte von Swisscom zur Verfügung gestellt, damit ich einer Frage nachgehen kann, die sich aktuell viele stellen: Braucht es wirklich schon ein 5G-Handy?

Aus diesem Grund werde ich in diesem Beitrag auch weniger auf das Handy selbst eingehen, sondern mich mit 5G auseinandersetzen – und ob sich ein 5G-Handy und Abo bereits lohnt.

So sieht das erste 5G-Handy der Schweiz aus

Zuerst möchte ich mich aber doch noch kurz dem Oppo Reno 5G widmen, denn das Smartphone ist wirklich ein Hingucker.

So sieht der Verpackungsinhalt des Oppo Reno 5G aus:

Oppo Reno 5G Verpackungsinhalt

Besonders schön finde ich die Kopfhörer, mit der grünen Akzentfarbe. Wie beim Oppo Reno 2 gibt es auch hier eine hochwertige Hülle dazu.

Ein Vergleich mit dem Oppo Reno 2 (hier links) zeigt, dass das Reno 5G nur ein bisschen grösser ist, was die Länge und Breite betrifft.

Oppo Reno 2 und Oppo Reno 5G

Etwas anders sieht das bei der Dicke aus. Hier macht sich wohl die 5G-Antenne bemerkbar. Das Gerät wirkt so etwas wuchtiger und liegt insgesamt auch etwas schwerer in der Hand als das Reno 2.

Oppo Reno 2 und Oppo Reno 5G
Sorry, für das unscharfe Foto. -.-

Einen weiteren Unterschied zeigt sich auf der Rückseite: Während das Reno 2 vier Linsen hat, gibt’s beim Reno 5G nur drei. Farblich gefällt mir das Reno 5G aber besser.

Oppo Reno 2 und Oppo Reno 5G

Hinter den drei Linsen verstecken sich eine 48-MP-Hauptkamera, eine 8-MP-Weitwinkellinse und eine 13-MP-Telelinse. Dazu gibt’s 10-fachen Hybridzoom.

Oppo Reno 5G Kameralinse

Obwohl das Reno 5G relativ dick ist, gibt es keinen Kopfhöreranschluss. Mir ist es egal, denn ich nutze sowieso nur noch Bluetooth-Kopfhörer. Ausserdem liefert Oppo ja passende USB-C-Kopfhörer mit. Wer seine eigenen Kopfhörer mit 3.5-Millimeteranschluss nutzen will, kommt nicht um einen Adapter herum.

Oppo Reno 5G

Auf der oberen Seite findet sich diese grosse Abdeckung. Dahinter verbirgt sich die Oppo-typische Haifischflossen-Selfiekamera.

Oppo Reno 5G Selfie-Kamera

Warum sie so heisst, dürfte dir spätestens jetzt klar werden:

Optisch ist das Reno 5G mit seinem randlosen Display eine wahre Schönheit.

Oppo Reno 5G Display

Auch die Rückseite macht einiges her. Für mich macht es sogar meinem farblichen Lieblings-Smartphone, dem Nokia 7.2, Konkurrenz.

Oppo Reno 5G vs. Nokia 7.2

Sehr speziell ist die Farbe beim Reno 5G vor allem, weil sie sich je nach Lichteinfall verändert.

Oppo Reno 5G vs. Nokia 7.2

Das führt dann beispielsweise zu solchen wunderschönen Farbverläufen.

Oppo Reno 5G Farbe

Hier noch etwas besser veranschaulicht:

Leider scheint es das Oppo Reno 5G offiziell nicht mehr zu kaufen zu geben – zumindest in der Schweiz. Ich konnte das Gerät jedenfalls weder in den üblichen Online-Shops, noch im Swisscom-Online-Shop finden. Ihr solltet euch aber unbedingt einmal das Oppo Reno 2 anschauen. Das kann zwar kein 5G, ist sonst aber ein sehr überzeugendes Smartphone.

Passend dazu: Samsung stellt mit dem neuen Galaxy S20 gleich vier neue 5G-Handys vor

Wo (in Luzern) gibt es überhaupt 5G?

Da ich in Luzern wohne, hab ich den Test selbstverständlich auch dort durchgeführt. Doch hier hat sich mir bereits die erste Hürde in den Weg gestellt: 5G ist selbst in Städten noch weit davon entfernt, flächendeckend verfügbar zu sein, behaupte ich zumindest. Also hatte mir Oppo ein Schreiben mitgegeben, mit Tipps, wo ich 5G-Hotspots finde – allerdings nur für die Städte Zürich, Bern, Lausanne und Genf. Doof, wenn man dann in Luzern testen möchte, aber ich bin es mir ja gewohnt, dass Luzern oft zu wenig wichtig bei solchen Dingen ist.

Selbstverständlich gibt es aber auch in Luzern bereits erste 5G-Antennen, wie mir ein Blick auf die Karte zeigte, die der Bund zur Verfügung stellt. In meinem Testrevier rund um die Kapellbrücke gibt es demnach zwei Antennen, die mehr oder weniger in der Nähe sind:

Sicherheitshalber habe ich dann noch einen Blick auf die Website der Swisscom geworfen, um zu schauen, wie diese ihre Netzabdeckung für 5G in Luzern angeben. Folgendes Bild bot sich mir da:

Grün ist laut Swisscom 5G und Violett ist 5G Plus (5G fast).

In Luzern gibt es also laut Swisscom in meinem Testgebiet flächendeckendes 5G Plus – das hat mich überrascht. Wie weiter oben erwähnt, hatte ich damit gerechnet, dass das 5G-Signal noch eher lückenhaft ist.

Hier habe ich getestet

Getestet habe ich das 5G-Netz der Swisscom an einem sonnigen Tag. So gibt es dann auch keine Ausreden, das Signal sei wetterbedingt schlecht gewesen (ausserdem hatte ich keine Lust, bei Regen rauszugehen).

An folgenden Standorten habe ich die Geschwindigkeit des 5G-Netzes von Swisscom getestet:

Einige von euch mögen sich nun natürlich fragen, warum ich nicht einfach direkt neben einer Antenne einen Speed-Test gemacht habe. Das hätte ich natürlich machen können, allerdings hätte es nicht der Realität entsprochen. In dieser steht man häufig nicht direkt neben einer 5G-Antenne und ich wollte ja herausfinden, wie gut die Netzabdeckung ist. Der Bereich um die Kapellbrücke erschien mir dabei als ideales Testareal, weil dort viele Leute (vor allem Touristen) unterwegs sind. Dadurch kommt ein Netz entsprechend an seine Grenzen – auch wenn wohl die Wenigsten bereits 5G nutzen.

So schnell ist das 5G-Netz der Swisscom

Auf der Website der Swisscom steht geschrieben, dass 5G aktuell Dowload-Geschwindigkeiten von bis zu 1 Gbit/s ermöglicht. 5G Plus soll sogar bis zu 2 Gbit/s ermöglichen. Das ist schneller als mancher Internetanschluss zu Hause (meiner hat beispielsweise nur 50 Mbit/s, was 0.05 Gbit/s entspricht).

Laut Swisscom ist das aber nur der Anfang. Später sollen Geschwindigkeiten von bis zu 10 Gbit/s möglich sein. Das wäre natürlich unglaublich schnell. So könnte man Filme in Full HD in Sekunden herunterladen. Aber das ist im Moment noch Zukunftsträumerei (und dank der vielen Einsprachen bei 5G-Antennen bleibt das wohl noch einen Moment dabei).

Diese Messreslutate habe ich erzielt

Insgesamt habe ich fast eine Stunde dafür aufgewendet, um an den acht Standorten zu messen. Gemessen habe ich mit der App Speedtest by Ookla, die man sich einfach im Playstore herunterladen kann.

Folgende Höchstgeschwindigkeiten habe ich mit 5G dabei an den jeweiligen Standorten erzielt (genannt wird immer die höchste gemessene Download-Geschwindigkeit und die dazugehörige Upload-Geschwindigkeit):

  1. 253 Mbps Download / 43.6 Upload
  2. 311 Mbps Download / 3.38 Upload
  3. 339 Mbps Download / 47 Upload
  4. 169 Mbps Download / 25.9 Upload
  5. 264 Mbps Download / 32 Upload
  6. 228 Mbps Download / 28.6 Upload
  7. 126 Mbps Download / 36.7 Download
  8. 198 Mbps Download / 62 Download

Wie ihr seht, sind die Download-Geschwindigkeiten in meinem Test nicht einmal in die Nähe der von Swisscom angegebenen 1000 Mbit/s gekommen. Warum das so ist? Ich weiss es nicht genau. Natürlich sind Download-Geschwindigkeiten immer nur ein theoretischer Laborwert und reduzieren sich. Einfluss hat dabei die Distanz zu einer Funkzelle, als auch, wie viele Geräte gerade angemeldet sind und sich die Bandbreite teilen.

Trotzdem war ich etwas überrascht, dass der Speed kein einziges Mal über 500 Mbit/s gekommen ist. Vermutlich hätte ich doch einmal direkt neben der 5G-Antenne einen Speedtest machen sollen. Andererseits hätte das ja auch nichts gebracht, ausser womöglich, zu beweisen, dass Swisscom recht hat, was die Geschwindigkeit angeht. Aber ich will natürlich auch dann schnellen Speed, wenn ich nicht direkt neben einer Antenne stehe.

Fazit zum 5G Netz (in Luzern)

Nein, dieser Test ist natürlich alles andere als wissenschaftlich noch repräsentativ. Dennoch behaupte ich, sagen zu können, dass sich ein 5G-Abo im Moment noch nicht wirklich lohnt. Klar, ich habe es nur in Luzern getestet, aber aktuell wird es in anderen Städten vermutlich in etwa gleich aussehen, wenn es um die Netzabdeckung und den Speed geht. Wer mit 4G guten Empfang hat, kann problemlos Netflix oder YouTube gucken und auch mal eine grössere Datei relativ zügig herunterladen.

Kommt noch hinzu, dass 5G meist nur in den teureren Abos enthalten ist und für diesen Aufpreis lohnt sich das im Moment nun wirklich nicht. Ausserdem sind die ersten 5G-Handys, wie in meinem Beispiel das Oppo Reno 5G, doch eher gross und etwas schwer. Da wartet man lieber auf die nächste Smartphone-Generation mit 5G, die dann hoffentlich etwas kompakter ist.