Das LG Q Stylus ist günstig – aber ist es auch gut?

Samsung beweist mit der Note-Serie, dass Smartphones mit Eingabestift durchaus ihre Fans haben. Ich selbst hatte noch nie eines, habe aber schon einige Male mit dem Gedanken gespielt, mir ein solches zuzulegen. Warum? Weil ich mit meinem Finger viel auf dem Bildschirm rumkritzle und das selten gut aussieht.

Nun aber hat LG letztes Jahr ebenfalls ein Stylus-Smartphone an den Start gebracht und dieses in einer Preisklasse, in der das Note 9 nicht mithalten kann. Da taucht natürlich schnell die Frage auf: Kann das LG-Smartphone für unter 300 Franken gegen das dreimal so teure Note bestehen? Wenn wir realistisch bleiben: nein. Wie auch, immerhin kann man schlecht erwarten, dass bei so einer Preisdifferenz die gleiche Leistung geliefert wird. Dennoch war ich ziemlich erpicht darauf, das LG Q Stylus einmal zu testen und LG hat mir freundlicherweise ein Testgerät zur Verfügung gestellt.

Der erste Eindruck

Hat man das Stylus erst mal aus seiner Verpackung befreit, hat man ein durchaus ansehnliches Gerät in der Hand. Es sticht jetzt nicht wirklich durch ausgefalle Design-Elemente hervor, wie das beispielsweise das Nokia 7.1 getan hat, ist aber sauber verarbeitet. In dieser Preisklasse sollte man kein Glas- oder Metallgehäuse erwarten. Dementsprechend kommt das Stylus mit einer Plastikrückseite daher, die mich aber nicht ein einziges Mal gestört hat. Mein Kumpel – der überzeugter Apple-Anhänger ist – war sogar sichtlich überrascht, dass dir Rückseite aus Plastik ist, da man es ihr optisch nicht unbedingt ansieht.

Was auffällt, ist die einsame Kameralinse auf der Rückseite. In einer Zeit, in welcher sich die Anbieter mit möglichst vielen Linsen auf jeder Seite zu überbieten versuchen, ist das schon fast Old-School. Aber schlussendlich kann natürlich auch eine einzige Linse gute Fotos liefern. Dazu später mehr. Der Fingerabdrucksensor ist hinten untergebracht, so wie ich mir das von den meisten meiner Testgeräte gewohnt bin. Einzig, dass die Tasten für die Lautstärke links angebracht sind, war für mich zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig. Aber eben, das ist halt von Gerät zu Gerät verschieden.

Im Grossen und Ganzen machte das Gerät auf mich einen positiven, ersten Eindruck. Ja, es ist aus Plastik, aber für ein Gerät unter 300 Franken ist das völlig in Ordnung – vor allem, wenn es so sauber verarbeitet ist, wie das LG Q Stylus.

Ist das Display gut genug?

LG hat dem Q Stylus einen 6,2 Zoll-Dipslay spendiert. Obwohl der Display damit ordentliche Ausmasse und das Gehäuse oben und unten noch Ränder hat, ist das Gehäuse relativ kompakt geblieben. Im Vergleich zu meinem Mate 10, welches ich sonst nutze und ein 5,9 Zoll-Display hat, ist es nur ein wenig grösser – was natürlich dem grösseren Display geschuldet ist. Man kann also sagen, dass LG hier ein sehr kompaktes Gerät gebaut hat – auch wenn es für Leute, die lieber kleinere Geräte haben natürlich nichts ist.

Von den Farben und der Sättigung her macht das Q Stylus einiges her. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, dass die Farben zu wenig intensiv oder verfälscht wären. Auch bei Videos – und glaubt mir ich schaue sehr viele Videos auf meinem Smartphone – sieht alles tiptop aus.

Ein erstes Minus gibts bei der Software und Geschwindigkeit

Wenn ich jeweils ein neues Smartphone testen darf, fällt die Bedienung im ersten Moment natürlich immer etwas schwer, wenn ich die Marke zuvor noch nie verwendet habe. Selbstverständlich fliesst sowas nicht in meine Beurteilung ein. Bei LGs Benutzeroberfläche gibt es grundsätzlich nichts zu meckern. Was mich allerdings etwas genervt hat, war, dass man nicht einfach auf die Uhrzeit tippen konnte, um so den Wecker zu öffnen. Ich bin mir das einach gewöhnt – von Huawei, von Nokia, von Samsung. Und bei LG geht das nicht. Stattdessen landet man in der Wetterübersicht. Auch die Suche nach einer Wecker- oder Alarm-App ergab nichts.

Tatsächlich hat es einen Moment gedauert, bis ich gemerkt habe, dass der Alarm in der Uhr-App versteckt ist. Ergibt natürlich Sinn, aber irgendwie find ich es auch unnötig, dass man sich dafür extra ne App auf die Startseite legen muss und so einen Platz weniger frei hat. Aber klar, das ist eigentlich nicht eine sehr grosse Sache. Mich hat es einfach ein wenig genervt, da ich den Alarm fast jeden Tag neu einstellen muss und es mir gewohnt bin, da auf der Startseite einfach auf die Uhrzeit tippen zu können.

Was mich allerdings doch etwas mehr gestört hat, war die Geschwindigkeit des Gerätes. Natürlich ist ein Mittelklassegerät immer etwas langsamer, immerhin kann man da nicht den neusten Prozessor erwarten. Das ist okay und berücksichtige ich jeweils auch in meinen Reviews. Aber beim LG Q Stylus hat man da echt am falschen Ort gespart. Ich war nach der Testzeit wirklich froh, dass ich wieder mein altes Handy zurück hatte. Dieses ist zwar auch schon zwei Jahre alt, aber doch noch um einiges fixer als das Q Stylus. Apps werden teilweise so langsam gestartet, dass man das Gefühl hat, dass das Gerät nicht gecheckt hat, dass man die App angetippt hat und noch einmal auf die Anwendung tippt.

Wer von einem älteren Smartphone auf das LG Q Stylus wechselt dürfte das sicher nicht als so schlimm empfinden, aber rein von der Geschwindigkeit her könnte ich dieses Gerät nicht mit gutem Gewissen weiterempfehlen. Da hätte man lieber nur drei statt vier GB Arbeitsspeiche reingepackt und dafür einen Prozessor.

Ist wenigstens die Kamera gut?

Die Kamera auf dem Rücken löst mit 16 Megapixel auf. Das ist eine ordentliche Zahl, aber natürlich sind hohe Megapixel oft nur ein Verkaufsargument. Wichtig sind auch Dinge wieder Sensor und natürlich eine gute Kamerasoftware. Um die Frage aus der Überschrift kurz und schmerzlos zu beantworten: Die Kamera hat mich nicht überzeugt. Auch hier merkt man leider den langsamen Prozessor. Oft hatte die Kamera gefühlt eine Ewigkeit, bis sie das Motiv endlich scharfgestellt hatte. Je nach Lichtverhältnissen schien die Software dann auch etwas überfordert.

Für dieses Foto brauchte die Kamera-App etwa zwei Sekunden, bis es abgespeichert war:

Smartphone LG Q Stylus Test/Review

So kam es schon einmal vor, dass man auf den Auslöser getippt hat und im ersten Moment nichts passiert ist. Warum? Weil der Prozessor anscheinend mit komplexeren Lichtverhältnissen nicht so gut klar kommt und es schon einmal ein, zwei Sekunden dauern konnte, bis das Foto dann wirklich auf das virtuelle Zelluloid gebannt wurde. So passierte es mir zu Beginn dann auch oft, dass ich mehrmals auf den Auslöser getippt habe, weil ich dachte, dass Smartphone reagiert nicht. So hatte ich dann jedes Motiv gleich dreimal fotografiert.

Für schnelle Schnappschüsse ist dieses Telefon meiner Meinung nach nicht geeignet. Bis die Kamera-App gestartet ist, fokussiert hat und auf den Auslöser reagiert, ist die Fotogelegenheit schon längst verstrichen.

Nachtaufnahme in einer beleuchteten Unterführung. Die Farben sind okay, aber leider ist das Foto einfach nicht richtig scharf.

Smartphone LG Q Stylus Test/Review

Auch im Dunkeln gibt die Linse nicht viel her. Das ist aber nicht unbedingt etwas, dass man dem Gerät vorwerfen kann, denn auch das Nokia 7.1 hatte im Dunkeln Mühe. Hier muss man sich einfach bewusst sein, dass man für unter 300 Franken kein Smartphone erwarten darf, dass auch bei schlechteren Lichtverhältnissen tolle Ergebnisse liefert.

Wer möchte, kann beim Fotografieren die Belichtung manuell verändern.

Und was ist jetzt mit dem Stift? Wegen diesem hab ich doch auf den Beitrag geklickt

Schon gut, schon gut. Ganz ehrlich? Ich habe den Stift kaum gebraucht. Ich habe es wirklich versucht, aber gemerkt, dass ich einfach zu wenige Dinge mache, für die ich den Stift sinnvoll einsetzen kann. Dem Q Stylus kann man dafür keinesfalls die Schuld geben. Ausprobiert habe ich den Stift selbstverständlich trotzdem und war wirklich zufrieden.

Smartphone LG Q Stylus Test/Review

Vor allem die Reaktionszeit war gut und liess nicht zu wünschen übrig. Klar, mit einem Zeichentablet lässt sich die Reaktionszeit nicht vergleichen, aber für mich war es völlig okay. Egal, ob ich was notiert oder gezeichnet habe, die Linien wurden präzise und ohne grosse Verzögerung auf das digitale Papier gebracht. Praktisch finde ich auch, dass wenn man den Stylus aus seinem Schacht zieht, gleich die passenden Apps dazu auf dem Bildschrim eingeblendet werden.

Das sieht dann so aus:

Smartphone LG Q Stylus Test/Review

Ich habe das Q Stylus auch zwei weiteren Personen zum Malen gegeben und auch diese hatten nichts daran auszusetzen. Hier konnte das Q Stylus bei mir ganz klar punkten.

Das kommt dabei heraus, wenn man anderen das Smartphone zum Malen überlässt:

Smartphone LG Q Stylus Test/Review

Fazit

Das LG Q Stylus ist optisch ein gut verarbeitetes Smartphone, das zwar keine Design-Akzente setzen kann, aber nicht wie ein Billig-Handy wirkt. Positiv ist für mich das Display, welches mit satten Farben und gutem Kontrast aufwartet. Auch die Stifteingabe funktioniert tadellos, was bei einem Smartphone mit Stylus natürlich essenziell ist.

Leider ist das Q Stylus für meinen Geschmack zu langsam. Die Geschwindigkeit ist erträglich, ausser, wenn man mal rasch ein Foto machen will oder auch sonst eine App zackig bereit sein muss. Dann zehrt der langsame Prozessor ganz schön an den Nerven. Wer sich dieses Handy zulegen will, sollte es nach möglichkeit vorher in einem Laden ausprobieren, um für sich selbst zu entscheiden, ob er mit der Geschwindigkeit leben kann oder nicht.